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Ravel und Piazzolla

Meilener Anzeiger

Ravel und Piazzolla

Genial interpretiert

Das «Quatuor Terpsycordes» aus Genf impressionistisch, Bandoneon-Gastsolist William Sabatier mit wärmendem Tango: Dem Element Feuer als Konzertmotto wurde alle Ehre getan.

Die Quatuor Terpsycordes überzeugten in der reformierten Kirche gemeinsam mit Gastsolist William Sabatier am Bandoneon. Foto: zvg

Das «Quatuor à cordes» (Streichquartett) op. 35 schrieb der noch junge Komponist Maurice Ravel 1902/03 für den am Conservatoire de Paris alljährlich ausgeschriebenen «Rompreis»-Wettbewerb. Das Werk bewirkte aufgrund formaler Bedenken bezüglich Verstössen gegen Kompositionsnormen einen Eklat sondergleichen. Ravel war sich der ungewohnten Façon bewusst und meinte, das Werk zeige den Willen nach musikalischer Konstruktion, «obwohl nur unvollkommen verwirklicht». 

Sicherste Intonation

Heute ist es gerade seiner künstlerisch hochstehenden Eigenart wegen eines der meistgespielten impressionistischen Streichquartette.

Zu Recht, wie die Quatuor-Terpsycordes-Interpretation im Winter-Konzert der «Vier Jahreszeiten»-Reihe am vergangenen Sonntag in der reformierten Kirche überzeugend zeigte: Girolamo Bottiglieri und Raya Raytcheva (Violinen), Caroline Cohen Adad (Viola) und der Violoncellist François Grin lebten die Klangwelt des Fauré-Schülers genial aus, mit zunehmender Dauer in ihr geradezu aufgehend. In – selbstredend – sicherer Intonation gefielen Oktav-Passagen wie auch parallele Tonfarbengestaltung ebenso wie motiv- und themenorientierte Vielfalt. Auffallend warmer Viola-Klang paarte sich mit auch im Tutti durchhörbaren Passagen. Die Pizzicati im  Entrée des zweiten Satzes kamen  tatsächlich «Assez vif, très rhythmé» daher, dieweil sich im mit «Très lent» überschriebenen dritten Satz gepflegteste Tongebung und stimmiger Sordinen-Einsatz in differenziertesten Schattierungen fanden. Die musikalische Gestaltung von thematischem und Begleitmaterial war mehr als adäquat.

William Sabatier in Hochform

Astor Piazzolla gilt als König des Tango. 1989 schuf der Argentinier (1921 – 1992) die «Five Tango Sensations» mit den fünf Sätzen Asleep – Loving – Anxiety – Despertar – Fear. 

Der Franzose William Sabatier als Gastsolist auf dem Bandoneon lebt seit seiner Jugend für den Tango und legte in breit angelegtem Solo emotional recht vordergründig Zeugnis einer bewegten Schlafphase ab. Deren kontrasubjektische Thematik (Schlaf/Traum) kontrastierte treffend mit der ruhigen Quartett-Begleitung. Auch in den folgenden vier Titeln glänzte Sabatier als gewiefter Improvisator über einen gegebenen Text rhythmisch straff, bediente sich gekonnt einiger Sequenzen, liess Violin- und Violoncello-Soli grosszügig ihren Raum, ehe die Motive durch die Quartett-Stimmen durchgereicht wurden – das Quintett arbeitet seit 2010 zusammen. Es «Tango-te» mächtig, es hielt das Publikum kaum mehr in den Bänken! 

Grosser Applaus war angesagt und bewirkte zwei Dreingaben: Piazollas «La muerte del angel» und das nicht fehlen dürfende «Oblivion» begeisterten das Publikum total – wohl fanden einige ungewohnt beschwingt ihren Heimweg am dunkel gewordenen Abend.

Auf «Feuer» folgt «Erde»

Freuen wir uns auf das Frühlingskonzert zum Element Erde am 29. März: Das «Geistertrio» genannte Klaviertrio D-Dur op. 70/1 von Jubilar Beethoven (250. Geburtstag) steht dem Trio op.8 von Johannes Brahms gegenüber. Das Schweizer«Trio Rafale» empfiehlt sich ein weiteres Mal.

Bast

 

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